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Kategorie: Schülerprojekte

  • Schülerprojekt 2012

    Schülerprojekt 2012

    Kinder singen Bach

    Nachdem in den vergangenen Jahren die Schülerprojekte des Philharmonischen Chores häufig mit zeitgenössischer Musik und Uraufführungen verbunden waren, wollte ich in dieser Saison bewusst einmal junge Menschen für die großartige Musik Johann Sebastian Bachs begeistern, die ich selbst als Jugendlicher kennenlernen durfte und die mein Leben seither geprägt hat.

     

    Rund 40 Schülerinnen und Schüler aus dem Großraum Bonn wurden in wochenlanger Arbeit musikalisch und auch theologisch vorbereitet, um bei der heutigen Aufführung der JOHANNES-PASSION in der Abteikirche zu Maria Laach gemeinsam mit dem Philharmonischen Chor die zentralen musikalischen Momente, die Choräle, mitzusingen.

    An der Elisabeth-Selberth-Gesamtschule hatte ich mit Musiklehrer Andreas Tiggemann einen sehr engagierten Einstudierungs-Partner, der zunächst eine zehnköpfige Schülergruppe zusammenstellte, die sich wöchentlich freiwillig nach Schulschluß traf, um (in den meisten Fällen erstmalig) Chorerfahrungen zu sammeln. Während die anderen Schüler schon ins Wochenende enteilten, probten wir jeden Freitag in der 6. Stunde! Dankenswerter Weise übernahm Andreas Tiggemann einige Termine, an denen ich verhindert war und sorgte damit für Kontinuität.

    Eine kleine Gruppe von Schülerinnen des Gymnasiums Nonnenwerth arbeiteten unter Anleitung ihrer höchst engagierten Musiklehrerin Sabina Büsch wochenlang selbständig, bei unserer ersten gemeinsamen Probe im Februar konnte ich mich schon ins „gemachte Nest setzen“.

    Die Mitglieder des Kinder- und Jugendchores der Evangelischen Lukaskirche Bonn waren schon vertraut mit Bachs Musik, als wir an die Einstudierung der JOHANNES-PASSION gingen: Viele hatten mit mir schon das WEIHNACHTS-ORATORIUM und die (selten gespielte) MARKUS-PASSION aufgeführt.

    Um die nicht ganz einfachen Inhalte der JOHANNES-PASSION zu erfassen und die heute nicht mehr ganz leicht verständliche Sprache besser zu verstehen, veranstalteten wir alle gemeinsam mit Pfarrer Michael Schäfer einen Themengottesdienst am 26.Februar, bei dem das Evangelische Gemeindeforum Auerberg fast aus allen Nähten platzte…

    Höhepunkt unserer Vorbereitungen für das Konzert in Maria Laach war dann ein Wochenend-Intensivtraining in der Jugendherberge Oberwesel gemeinsam mit dem Philharmonischen Chor.

    Neben dem Projektchor setzen sich weitere Jugendliche im Rahmen eines

    von meiner Mitarbeiterin Eva de Voss konzipierten Begleitprogramms mit der Thematik des Werks in Form von kreativem Schreiben und bildnerischer Gestaltung auseinander:

    Als besonders glücklich erwies sich hier der Umstand, dass die Gesamtschule Bad Godesberg als „Elisabeth-Selbert-Gesamtschule“ seit dem Schuljahr 2011/12 den Namen einer der „Mütter des Grundgesetzes“ trägt und die Schulgemeinde sich in vielfältiger Form mit zentralen Artikeln des Grundgesetzes beschäftigt. Zudem hat die Schülervertretung eine „Aktion Courage“ ins Leben gerufen, die, ausgehend von der Grundgesetzthematik, in zahlreichen Veranstaltungen das Thema „Zivilcourage“ bearbeitet.

    Durch die Jahresthematik der Gesamtschule ergaben sich Verknüpfungsmöglichkeiten mit der Passion: Das Quälen eines Unschuldigen unter zynischen Kommentaren der Akteure („Sei gegrüßet, lieber Jüdenkönig!“) hat etwas mit zerstörter Menschenwürde zu tun, das Verleugnen des Freundes in eigener Lebensgefahr (Petrus) fordert zum Nachdenken über Zivilcourage auf.

    Zur Petrus-Thematik und zur Choralzeile: „Wer hat dich so geschlagen, […] so übel zugericht’?“ entstanden im Deutschunterricht der 8D der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule Bad Godesberg unter Leitung der Fachlehrerin Margret Jüngling und Eva de Voss Unterrichtssequenzen, die kreatives Schreiben, bildnerisches Gestalten und Museumsbesuche miteinander verknüpften und den Bogen schlugen zwischen der Passion und der Jahresthematik der Gesamtschule.

    Die Jugendförderung des Philharmonischen Chores wird noch in diesem Jahr mit zwei ambitionierten Projekten fortgesetzt:

    Im Herbst beschäftigen sich rund 100 Schülerinnen und Schüler fächerübergreifend mit der Commedia dell’Arte –Figur des „Pierrot“, anlässlich des 100. Jahrestages der Uraufführung von Arnold Schönbergs PIERROT LUNAIRE.

    Am 18. Dezember darf ich dann in der Kölner Philharmonie 100 singende Kinder mit dem Gürzenich-Orchester, dem Philharmonischen Chor der Stadt Bonn und dem Bach-Verein Köln zusammenführen bei der WEIHNACHTSKANTATE von Arthur Honegger.

     

    Thomas Neuhoff

    Projektverlauf

    Bereits im November beginnen   Schülerinnen und Schüler unter der Leitung von Thomas Neuhoff mit der Einstudierung der Choräle aus der Johannes-Passion, und zwar nicht nur an der  Godesberger  Elisabeth-Selberth-Gesamtschule, sondern auch am Gymnasium Nonnenwerth. Unterstützt wird der Projektchor  vom Kinderchor der  Evangelischen Lukaskirche Bonn.

     

    Nach einem  gemeinsam gestalteten musikalischen Themen-Gottesdienst DIE PASSION NACH DEM EVANGELISTEN JOHANNES UND IHRE VERTONUNG DURCH J.S. BACH  amSonntag, 26.2.2012 um 11h im Ev. Gemeindeforum Auerberg werden die Jugendlichen erstmals gemeinsam mit dem Philharmonischen Chor  proben:
    Geplant ist die Teilnahme aller aktiv singenden Schülerinnen und Schüler an dem Probenwochenende des Philharmonischen Chores in der Jugendherberge  in Oberwesel. Hier können die Jugendlichen gemeinsam mit dem semiprofessionellen Erwachsenen-Chor  aktiv erleben, wie musikalisch an einem großen Werk gearbeitet wird.
    Allen am Projekt beteiligten  Jugendlichen, auch den nicht Singenden, wird dann die Möglichkeit eröffnet, beim Konzert in Maria Laach  am 18.3.2012 um 19h  dabei zu sein und so einen Einblick in den Ablauf eines klassischen Konzertes  und die dazu gehörende Probenarbeit mit einem Orchester zu gewinnen. Dabei stehen einige  Sänger-Solisten  den Jugendlichen als Gesprächspartner zur Verfügung und berichten von ihren Erfahrungen im internationalen Musikbetrieb.

    Stimmen zum Projekt

    Stimmen der Chorkinder aus der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule Jahrgangsstufe 5 und 6

    Sebastian:
    „Das Gefühl war unbeschreiblich, ich habe praktisch schon geschwebt. Ich war nach der Aufführung erleichtert, aber auch sehr froh, weil man solch einen Augenblick wahrscheinlich nicht so schnell wieder erleben wird.“

    Anna:
    „Wir haben nicht nur die Choräle geübt, sondern zwischendurch mit dem Thomas Neuhoff auch andere Lieder einfach zur Abwechslung gesungen.“

    Katharina:
    „Ich fand den Auftritt auch ganz toll und das hat mir richtig Spaß gemacht mit den Erwachsenen und dem Orchester mitzusingen.[…] Es hat auch keiner Quatsch gemacht.“

    Anna:
    „Ich war ganz erleichtert, dass alles so gut geklappt hat.“

    Stimmen zum Begleitprogramm (Bildnerisches Gestalten, kreatives Schreiben und Museumsbesuche) Jahrgangsstufe 8 der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule

    Yousra:
    „Obwohl es nicht meine Religion ist, habe ich mich sehr gefreut, etwas über das Christentum zu erfahren. Ich fand die beiden Museumsbesuche sehr erfolgreich und spannend“.

    Kolja:
    Mein persönliches Highlight war der Museumsbesuch in Bonn aufgrund des Kunstwerks „Ortsgedächtnis“, man fühlte sich ziemlich fremd dort, aber es war toll.

    Lena:
    Die Fotostory mit den Tüten hat mir am besten gefallen, weil man sich sowohl in die Täterrolle als auch in die Opferrolle versetzen konnte.

    Victoria:
    Besonders inspirierend fand ich den Philharmonischen Chor am Sonntagabend, es war etwas Neues für mich und ich habe auch Textstellen rausgehört, die wir zusammen bearbeitet haben.

    Termine

    So 26.2.12

    „Die Passion nach dem Evangelisten Johannes und ihre Vertonung durch Johann Sebastian Bach.“ Themengottesdienst um 11 Uhr im Ev. Gemeindeforum Auerberg unter Mitwirkung des Projektchores.

    Sa 10.3.12

    Probennachmittag des Projektchores zusammen mit dem Philharmonischen Chor Bonn in der Jugendherberge Oberwesel

    So 18.3.12

    Aufführung der Johannes-Passion von J.S.Bach in Maria Laach durch den Philharmonischen Chor Bonn unter Mitwirkung des Projektchores

    Pressestimmen

    Nach 300 Jahren noch aktuell

    Von Johanna Heinz

    BONN. Schüler beschäftigen sich mit Bachs Johannes-Passion. Jugendprojekt des Philharmonischen Chores Bonn

  • Schülerprojekt 2011

    Schülerprojekt 2011

    Auf der Suche nach meinem gelobten Land

    Nach erfolgreichen Schülerprojekten der vergangenen Jahre organisierte und finanzierte der Philharmonische Chor Bonn mit seinem Leiter Thomas Neuhoff auch 2010/2011 wieder ein innovatives Projekt: „Auf der Suche nach meinem „Gelobten Land”. Das Ziel war, jugendliche SchülerInnen an der der Rabih Lahoud über ihre musikalische Kreativität für die unterschiedlichen kulturellen und biografischen Hintergründen zu sensibilisieren und Barrieren zu überwinden – über 70% von ihnen haben einen Migrationshintergrund.

    Der Musiker und Musikpädagoge Rabih Lahoud, organisatorisch unterstützt durch Dirk Grün und Sabrina Sneikus, war neben Thomas Neuhoff der hauptverantwortliche Projektleiter und komponierte einen musikalischen Grundrahmen, in den die Ideen der Schüerinnen und Schüler einflossen. In gemeinsamer Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern kam eine kreative Aufführung mit verschiedenen Songs und Rhythmen zustande. Dabei standen die menschliche Stimme und der Körper als (musikalische) Hauptinstrumente und rhythmische Ausdrucksmittel im Fokus.

    Die Projektergebnisse wurden am 18. März 2011 im Theatersaal des Rheinischen Landesmuseums öffentlich präsentiert.

     

    Förderung

    Das Projekt “Auf der Suche nach meinem gelobten Land” wird unterstützt von der Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung.

    Ziele

    Die menschliche Stimme und der Körper als „Instrumente“ stehen im Mittelpunkt, „Instrumente“, die allen Menschen in allen Kulturen in gleicher Weise gegeben sind. Die Entdeckung der musikalischen Möglichkeiten, die in jedem Menschen schlummern, soll bei diesem Projekt handlungs- und ressourcenorientiert zu einer Auseinandersetzung mit tiefgreifenden Fragen führen:

    • Woher komme ich?
    • Wer bin ich?
    • Was mache ich hier?
    • Kann ich überhaupt zum Ganzen etwas beitragen?
    • Bin ich überhaupt wichtig?
    • Wo kann ich mich finden?
    • Wo ist mein Platz, mein Land, mein „Gelobtes Land“?

    Das Projekt möchte Jugendlichen zeigen, wie sie selbst Musik machen können, welche positiven Körpergefühle das Singen auslösen kann und wie sie aus dieser Erfahrung Selbstbewusstsein und Kraft ziehen können. Die Jugendlichen sollen lernen, ihr Selbstwertgefühl zu steigern und gleichzeitig respektvollen Umgang miteinander zu praktizieren.

     

    Methoden

    Die Projektarbeitszeit mit den Schülern und Schülerinnen beinhaltet:

    • Stimmbildung
    • Bodypercussion
    • Beat-Boxing (Übungen zur Atmung, Rhythmus, Stütze sollen den Jugendlichen ein neues und sicheres Körpergefühl vermitteln)
    • Theorieelemente zu Rhythmus und Gesangstechniken
    • Komposition / Entwicklung des Stückes „Mein Gelobtes Land“
    • Umsetzung / Einstudierung des Werkes

    Ein weiterer großer Bestandteil der Projektarbeit wird das freie musikalische Improvisieren sein. Die Jugendlichen werden eingeladen zu singen, einzelne Rhythmus-Instrumente (wie z.B. Djembe/Cajon) zu nutzen oder durch Beatboxing bzw. Bodypercussion ihren Körper einzusetzen. Text spielt dabei meist keine Rolle, auch wenn die Erfahrung gezeigt hat, dass insbesondere während der Improvisation die verschiedenen Muttersprachen der Jugendlichen durch die Improvisierenden eingesetzt werden.

    Der daraus entstehende Dialog regt die Schüler an, sich zwangsfrei und ohne Anleitung auszudrücken, mutig zu sein und einfach auszuprobieren. Diese wortlose Kommunikationstärkt darüber hinaus das Harmonieverständnis in der Gruppe und zwischen Pädagogen und Teilnehmern. Das anschließende Besprechen der erlebten Musik hat keinen wertenden Charakter, sondern wird als Methode genutzt, um sich über Gefühltes und Gesagtes auszutauschen. Zusätzlich wird in der Gruppe ausgearbeitet, welche Teile der Improvisation aufgegriffen und für das Gesamtwerk genutzt werden sollten.

    In dem Projekt sollen die Schüler, neben der Entdeckung und Entwicklung ihrer Musikalität, die Möglichkeit bekommen, sich auf die Suche nach ihrem „Gelobten Land“ zu machen.

    Gemeinsam mit den Schülern und der betreuenden Lehrerin wird eine Definition des eigenen „Gelobten Landes“ und eine Art Zukunftsvision eines jeden Schülers erarbeitet. Die Schülerinnen und Schüler werden sich dabei intensiv mit folgenden oder ähnlichen Fragestellung auseinandersetzen:

    • „Wo befindet sich mein gelobtes Land?“
    • „Wo möchte ich sein?“ und „Wo ist Platz für mich?“
    • „Wo stehe ich jetzt?“
    • „Wieso fühle ich mich fremd?“
    • „Ist mein gelobtes Land vielleicht in mir, unabhängig davon, wo ich mich befinde?“
    • „Welches Leben will ich führen?“ und „Welchen Platz will ich einnehmen?“, usw.

    Dabei haben die Schüler in Gruppenarbeit die Möglichkeit, ihre jetzige und eventuell frühere Heimat zu definieren und zu beschreiben, ihre (Familien-) Biografien mit den Mitschülern zu teilen und sich und ihre verschiedenen Kulturen besser kennen zu lernen.

    Die Ergebnisse dieser Arbeit werden gemeinsam mit den Musikpädagogen für das zu komponierende Stück genutzt und musikalisch „übersetzt“. So soll den Schülern und Schülerinnen zusätzlich verdeutlich werden, welche musikalischen und kompositorischen Techniken genutzt werden können, um Stimmungen und Gefühle zum Ausdruck zu bringen.

    Projektverlauf

    Februar 2011

    „Was soll ich denn da singen?“
    „Du musst das nur fühlen – hören und fühlen und dann kommt das schon.“

    Tagesziel erreicht! Fatu, eine Schülerin, die am Schulprojekt teilnimmt, erklärt ihrer Mitschülerin in einem einzigen ermutigenden Satz, was Musik bedeutet – Gefühl. Wir, die Musikpädagogen Rabih Lahoud, Dirk Grün und Sabrina Sneikus sind glücklich über die Entwicklung des Projektes.

    Nach einer viel versprechenden Projektwoche arbeiteten wir weiter an neuen Musikstücken, entwickelten Beatboxing-Stücke für die Jungs der Klasse und setzten Percussion-Instrumente ein.

    Die Mädchen der Klasse studierten das Stück „Vielleicht sind wir anders“, dichteten eigene Texte und nutzten Cajon, Percussion und eine Kalimba, um den verschiedenen Facetten des Stückes mehr Ausdruck zu verleihen. In einem weiteren Stück („Freunde auf ewig“) lernten sie die zwei Gesangs-Modes „Neutral“ und „Curbing“ aus der Complete-Vocal-Technique® einzusetzen und erweiterten ihre Stimme mit jedem Treffen. Schnell war es möglich, kleine Sologruppen zu bilden, so dass jede Sängerin die Chance bekommt über ihre (stimmlichen) Grenzen hinaus zu gehen.

    Die Jungs lernten durch das Beatboxen, sicherer in trickreichen Rhythmen, Grooves und Beats zu werden. Paul wird seitdem als Cajon-Spieler gefeiert – er lernt schnell und begeistert damit seine Mitschüler. In ausführlichen Gesprächsrunden wurde deutlich, dass insbesondere die Jungs noch vielseitiger arbeiten wollen. So bringt sich Samuel nun mit der Gitarre in die musikalische Arbeit ein und Nabil probiert für ihn neue Schlagtechniken auf der Djembe aus. Durch diese neuen Elemente wurde es erstmalig möglich, mit allen Schülern frei zu improvisieren, was das Gemeinschaftsgefühl und das Gefühl für die Musik in der Gruppe vertiefte und stärkte.

    Neben der Arbeit für die Aufführung am 18. März im Theatersaal des Landesmuseums Bonn, bereiten wir uns auf die Mitwirkung bei der Auftragskomposition „Joseph Lamento“ von Rabih Lahoud in der Kölner Philharmonie vor.

    Die Joseph-Geschichte, bekannt in den drei großen Weltreligionen, dient als Basis für das Stück und wurde mit den Schülern intensiv besprochen. Insbesondere die Gefühlswelt von Joseph inspiriert die Jugendlichen, herauszufinden, welche Gefühle über die Musik ausgedrückt werden können. Bei der Arbeit legen wir viel Wert darauf, alle Schüler mit ihren entsprechenden Fähigkeiten einzubinden. Der arabisch sprechende Schüler Faraj unterstützte z.B. beim Einstudieren der arabischen Texte. Angelo und Kamal dirigierten ihre Mitschüler und Paul imitierte die Paukenschläge des Orchesters auf der Djembe.

    Alle stellten dabei fest, wie wichtig zuhören, exakte Ansagen und gegenseitige Aufmerksamkeit ist.  Fragt man die Schüler, so sind alle begeistert von der gemeinsamen Arbeit: „Das macht viel Spass. Ich bin schon so aufgeregt auf unsere Auftritte.“

    Projektwoche Herbst 2010

    Kraft steckt in der Stimme. Kraft entsteht aus Gefühlen. Kraft ist, wenn man cool bleibt.

    Betritt man die kleine Aula der Karl-Simrock-Schule in Bonn, findet man genau diese Sätze auf bunten Plakaten an der Rückwand der Bühne. Vor diesen bunten Plakaten präsentieren sich die Schülerinnen und Schüler der 8. Klasse im Scheinwerferlicht und zeigen welche Kraft in ihren Stimmen steckt. Mutig singen und performen sie in kleinen Gruppen, setzten Hände und Füße für Bodyperkussion ein oder “beatboxen” ins Mikro.

    Die Kraft der Stimme durften die knapp 20 Schüler der Klasse 8b in der Projektwoche im Herbst 2010 entdecken. Diese Woche war Teil des Schulmusikprojektes „Auf der Suche nach meinem gelobten Land“, das von dem Sänger und Musikpädagogen Rabih Lahoud geleitet und durch den Philharmonischen Chor Bonn finanziell unterstützt wird.

    So lernten die Schülerinnen und Schüler ihre Stimme mit Hilfe der Complete-Vocal-Technique® kennen, erfuhren wie die Stars in der Pop-Musik ihre Stimmen einsetzen und entwickelten gemeinsam die Inhalte der Abschlusspräsentation.

    Während dieser Zeit fanden sich neben gemeinsamen Aktionen im Klassenverband einzelne kleine Gruppen zusammen, die selbständig oder mit Unterstützung von Rabih Lahoud eigene Interpretationen und Stücke erarbeiteten. So gründete sich die Girl-Group „Groove Sisters“, bestehend aus 6 Schülerinnen, die innerhalb kürzester Zeit Stücke auswählten, diese einstudierten und mit einer Choreografie krönten.

    Eine Gruppe von Schülern interpretierte das Stück „Alors on danse“ auf ihre eigene Weise, in dem sie sich kritisch mit dem Text auseinander setzten und die Bedeutung des Textes in einem Theaterstück Ausdruck verliehen.

    Ziel der Projektwoche war es neben der Vermittlung  von Gesangs- und Interpretationstechniken, die Kulturen der einzelnen Schüler kennen zu lernen und einfließen zu lassen. Aus dieser Idee entstand das Highlight und Finale der Abschlusspräsentation. Ein von Rabih Lahoud komponiertes Stück wurde von den Schülerinnen und Schülern gemeinsam in die verschiedenen Sprachen, die in der Klasse vertreten sind, übersetzt. „Bin jetzt hier, will nicht gehen. Kann auf eignen Beinen stehen und singen so wie noch nie. Sag mir, was machst Du?“ wurde in italienisch, englisch, französisch, türkisch und arabisch übersetzt und in der Abschlusspräsentation im Finale von allen Schülerinnen und Schülern gesungen – für alle ein Gänsehautmoment.

    Fragt man die Schüler, so war diese Woche „wunderschön“, „richtig cool“ und „hat viel Spass gemacht“. In einer Abschlussrunde mit allen Schülern und Schülerinnen und den Verantwortlichen war die einheitliche Meinung: „Das könnten wir immer machen! Wir freuen uns auf die Fortsetzung!“

    Und die wird es geben. Die Herausforderung der Fortsetzung besteht darin mit allen Schülerinnen und Schülern ein gemeinsames Musikstück zu entwickeln, in dem weiter der Frage nach dem eigenen gelobten Land auf den Grund gegangen wird. In dem Zusammenhang werden regelmäßige Projektstunden und eine weitere ganze Musikwoche stattfinden. Über die weitere Arbeit werden wir laufend auf der Homepage berichten.    

    Die Karl-Simrock-Schule in Bonn-Endenich

    Gemeinschaftshauptschule der Stadt Bonn

    Die Schule bietet Kindern bereits ab dem 5. Schuljahr die Möglichkeit, sich intensiv und individuell mit Berufsbildern und Lebensentwürfen zu beschäftigen. Sie steht Kindern aller Schulempfehlungen offen und nimmt Schüler/innen aus verschiedenen Stadtteilen Bonns und darüber hinaus auf, daher ist das Sozialraumgefüge des Stadtteils mit dem der Schülerschaft nicht vergleichbar. Es ist davon auszugehen, dass der Anteil der Migranten in Endenich weit unter dem in der Schule erfassten Prozentsatz von 69% liegt (Schülerzahl: 311, Stand Okt. 2010). Die Hauptherkunftsländer sind: Türkei, Syrien, Marokko, Irak und Italien. Der Einbindung der Schule in den Stadtteil wird von Seiten der Schulleitung und von Seiten des Endenicher Ortsvereins besondere Bedeutung beigemessen. Diese gegenseitige Wertschätzung drückt sich aus durch das steigende Interesse an Kooperationsprojekten: So wurden unter anderem Vereinbarungen zu Lernpartnerschaften geschlossen, der Förderverein der Stadtteilbücherei Endenich ebenso wie die Bücherei selbst unterstützten inzwischen bereits mehrere Projekte der Schule, und das Theater am Ballsaal möchte im nächsten Schuljahr mit den Schüler/innen der Schule ein gemeinsames Projekt starten.

    Bis zum Schuljahr 2004/05 wurde eine Klasse für die “Späten Seiteneinsteiger” (Schüler, die erst mit 14 oder 15 Jahren aus ihrem Heimatland nach Deutschland kamen) geführt. Um jedoch auch die jüngeren SchülerInnen besser in die Regelklassen integrieren zu können, wird an der Karl-Simrock-Schule seit dem Schuljahr 2005/2006 eine Internationale Klasse geführt, unabhängig vom Alter. Nach spätestens zwei Jahren sollen die SchülerInnen in die Regelklassen integriert werden, bzw., wenn sie schon älter sind, in eine Berufsfördermaßnahme eingegliedert werden.

     

    Klasse 8

    Von den 25 SchülerInnen der Projekt-Klasse (Klassenlehrerin: Lucia Schneider) kommen sechs aus Deutschland, die anderen 19 aus Äthiopien, Belgien/Portugal, Griechenland, Italien, Marokko, Polen, Russland, Senegal, Somalia, Syrien und Türkei. Die Jugendlichen haben umfangreiche Erfahrungen mit immer neu hinzukommenden Schüler/innen und immer neuen Gruppenzusammensetzungen.

    Es ist der Stammgruppe gelungen, die immer wieder neu hinzugekommenen Kinder und Jugendlichen zu integrieren. Dennoch gibt es erkennbar Cliquenbildung, die sich auch (allerdings nicht ausschließlich) entlang kultureller Zugehörigkeit organisiert. Die Institution des regelmäßigen Klassenrats ermöglicht die Reflektion des Wochenverlaufs sowie besonderer Vorkommnisse. In der Regel gelingt es in der Gemeinschaft der Schüler/innen, Lösungen für Differenzen zu finden. Es gibt allerdings auch Schüler/innen, die für sich eine besondere Rolle definiert haben, aus der sie entweder nicht herauskönnen oder –wollen. Im Rahmen von Projekten lassen sich solche festgefahrenen und internalisierten Definitionen besser aufbrechen als in der regulären Unterrichtsstunde.

    Die Klasse hat bereits mehrere Projekte erlebt und immer sehr positive Erfahrungen hinsichtlich gruppendynamischer Prozesse sammeln können. Auch was die fachliche Förderung angeht, konnten die Kinder in den Projektsituationen sehr viel nachhaltiger an den Themenbereichen arbeiten. Die Schüler/innen stehen daher projektartig konzipierten und organisierten Arbeitsprozessen offen gegenüber und empfinden diese offenere Art des Arbeitens als sehr bereichernd.

    Über die gruppendynamischen Prozesse hinaus ist die Zusammenarbeit mit dem Philharmonischen Chor bzw. Rabih Lahoud besonders wertvoll für diese besondere Lerngruppe: Seit der 5. Klasse konnte keine musikalische Förderung mehr stattfinden. Die Erfahrung des eigenen Körpers als Klangkörper und die inhaltliche Relevanz des Themas „Mein gelobtes Land“ in einer sehr sensiblen Phase ihrer Entwicklung dürfte die Schüler/innen in besonderer Weise ansprechen und zu einer nachhaltigen Affinität zur Musik führen. Insbesondere schulmüde Jugendliche lassen sich erfahrungsgemäß durch diese Art der Unterrichtsgestaltung motivieren, engagiert, zuverlässig und verbindlich zum Unterricht zu kommen und die aus ihrer Anwesenheit in der Gruppe resultierenden Konsequenzen zu ertragen.

    Termine

    Abschlusspräsentation

    Freitag, 18. März 2011 um 12.00 Uhr
    im Rheinischen Landesmuseum, Colmantstr. 14-16.

    Die Schülerinnen und Schüler wirken außerdem mit bei dem Konzert des Bach-Vereins Köln am 27. März / 11 Uhr in der Kölner Philharmonie 

    RABIH LAHOUD: “JOSEPH-LAMENTO” (Uraufführung)

    Kantate für Soli, Chor und Orchester, inspiriert durch ein Gedicht von Mahmoud Darwish.

    Biografien

    Rabih Lahoud

    Rabih Lahoud (geb. 1982 im Libanon) begann mit 9 Jahren seine musikalische Ausbildung in Byblos, nördlich von Beirut. Mit 19 entschied er sich nach Deutschland zu reisen, um dort Musik zu studieren. Durch einen Improvisationskurs mit Markus Stockhausen entdeckte Rabih Lahoud die Kraft der Stimme und entwickelte zunehmend eine große Leidenschaft für verschiedenste Gesangs- und Interpretationsstile. Sein Wunsch diese Leidenschaft insbesondere mit Jugendlichen zu teilen, brachte ihn an die HMT in Rostock, wo er heute Pädagogik mit Schwerpunkt Gesang (Pop-/World-Music) studiert. Neben seiner Tätigkeit als Sänger, Chorleiter und Komponist wirkte er bei mehreren Jugendmusikprojekten mit, wie z.B. „sou.l.y.“ und „Kinder unserer Zeit“. In Zukunft möchte er als Pädagoge und Künstler Orte schaffen, an denen Menschen ihre Stimme entdecken können.

    Sabrina Sneikus

    Sabrina Sneikus (Diplom-Kauffrau) ist 1982 im Rheinland geboren und studierte Wirtschaftswissenschaften an der Fachhochschule Düsseldorf. Nach dem Studium arbeitete sie als Unternehmensberaterin, bevor sie ihre heutige Tätigkeit im Bereich Marketing aufnahm. Ihre Begeisterung für die Musik, insbesondere für den Gesang, durfte sie bereits als Sechsjährige entdecken – zuerst als Chorsängerin in verschiedenen Chören, dann zusätzlich als Gesangs-, Geigen- und Klavierschülerin. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit als Sängerin im Bereich Klassik und populärer Musik arbeitet sie heute als ehrenamtliche Jugend- und Erwachsenenchorleiterin und übernimmt organisatorische Verantwortung in verschiedenen musikalischen Jugendprojekten in NRW.

  • Schülerprojekt 2010

    Schülerprojekt 2010

    Die Mädchen von Theresienstadt

    Nach dem erfolgreichen Schüler-Kompositionsprojekt 2009 “Kinder unserer Zeit” vergab Thomas Neuhoff für 2010 einen Kompositionsauftrag: Der Bonner Komponist David Paul Graham schrieb eine Jugendoper mit dem Titel “Die Mädchen von Theresienstadt”. Das Libretto stammt von Kerstin Baldauf, Thomas Neuhoff leitete die Aufführungen im Januar/Februar 2010 mit Mädchen und Jungen aus dem Jugendchor der Lukaskirche sowie professionellen Musikern. Ein Jahr später, zum Holcaust-Gedenktag am 27. Januar 2011 wurde die Produktion von der NRW-Landesvertretung nach Berlin eingeladen. Der General-Anzeiger berichtete über die Reise und die bewegende Begegnung mit zwei alten Damen, Überlebenden aus Theresienstadt.

     

    Abschlussbericht 2010 von Thomas Neuhoff

    Die Anfänge der Jugendopernprojekts DIE MÄDCHEN VON THERESIENSTADT reichen zurück ins Jahr 2008. Als Schülerprojekt des Bach-Vereins Köln wurde damals eine Produktion der Kinderoper BRUNDIBÁR von Hans Krása vom Jugendchor der ev. Lukaskirche Bonn in der Kölner Philharmonie aufgeführt. Während der Proben beschäftigte die Jugendlichen folgende Frage: Was wissen wir von den Kindern, die 1943/44 im KZ Theresienstadt den BRUNDIBÁR aufgeführt haben?

    Nachdem ich dann anlässlich einer Ausstellung im Deutschen Bundestag am 27.Januar 2008 sechs Überlebende der MÄDCHEN AUS ZIMMER 28 des Theresienstädter Mädchenheimes kennen gelernt hatte, bat ich den in Bonn lebenden englischen Komponisten David Paul Graham um eine Vertonung des Lagerlebens dieser Mädchen, für welche  die Aufführungen von BRUNDIBÁR eine Kraftquelle im Überlebenskampf gewesen waren.

    David Graham war wegen des schwierigen Sujets zunächst sehr zurückhaltend, willigte aber ein, nachdem er selbst einige Überlebende und deren Chronistin, die Autorin Hannelore Brenner-Wonschick kennen gelernt hatte (ihr Buch „Die Mädchen von Zimmer 28“ ist im Aufbau Verlag erschienen). Es war nicht leicht, an ein adäquates Libretto zu kommen: Der junge Dramaturg Markus Krämer aus Köln gab nach Fertigstellung der ersten Szene auf, mit der Schauspielerin Kerstin Baldauf konnte aber schließlich eine erfahrene und kompetente Jugendtheater-Autorin gewonnen werden. Sie ging idiese Aufgabe mit großem Elan an und erstellte in enger Abstimmung mit dem Komponisten eine Szenenfolge, die auf die Möglichkeiten des 17-köpfigen Jugendchores der Lukaskirche ausgerichtet wurde (13 Mädchen und 4 Jungen zwischen 9 und 16 Jahren). Meine Vorgabe, zwei Handlungsebenen zu verschmelzen, wurde von Kerstin Baldauf überzeugend umgesetzt: Im Jahr 2009 begegnen sich zwei mittlerweile fast 80-jährige überlebende Frauen und werden Zeuginnen, wie Jugendliche Szenen aus ihrem Leben in Theresienstadt 1943/44 spielen.
    Nach Fertigstellung des Klavierauszuges durch David Graham konnten im September 2009 die ersten musikalischen Proben mit dem Jugendchor beginnen, in den Herbstferien wurde dann auch szenisch gearbeitet. Erstaunlich, wie schnell sich die Mädchen und Jungen mit der für sie ungewohnten Tonsprache anfreundeten und echtes Interesse an den darzustellenden Charakteren zeigten. Es entwickelte sich ein gruppendynamischer Prozess von außerordentlicher Qualität. Kerstin Baldauf gelang es, als Regisseurin ungeahnte schauspielerische Talente bei den Jugendlichen zu wecken, sie kümmerte sich auch um Kostüme und übernahm zudem eine der Erwachsenen-Partien, nachdem die ursprünglich vorgesehene Sängerin kurzfristig ausgestiegen war.

    Nach wochenlangen Proben mit unserem wunderbaren Korrepetitor James Maddox erwarteten wir das erste Zusammentreffen mit dem Kammerorchester mit Spannung: Würden sich die unverstärkten Stimmen als genügend tragfähig erweisen? Mit Erleichterung stellten wir fest, dass David Graham mit feinem Gespür für die Balance komponiert hatte und alle fieberten nun der Bonner Premiere am 23.Januar 2010 entgegen.
    Über die Energie, mit der die jungen Sängerdarsteller innerhalb von zwei Wochen sechs szenische und eine konzertante Aufführung absolvierten, kann ich nur staunen. Sichtbar waren sie inspiriert durch die Zusammenarbeit mit der Berufssängerin Ingrid Schmithüsen, die die Erwachsenen-Hauptrolle übernahm und zum Idol aller singenden Jugendlichen wurde. Die ideale Theater-Atmosphäre in der KLANGBRÜCKE Aachen und auf der BÜHNE DER KULTUREN Köln bewirkte in den letzten Aufführungen eine kaum zu erwartende Steigerung der darstellerischen Leistungen.

    Da die Jugendoper als interaktives Mitmach-Projekt konzipiert ist, konnten wir in jede Aufführung neue Schulklassen integrieren. Diese waren in mehreren Schulstunden vom Komponisten und mir auf ihre Mitwirkung vorbereitet worden. Besondere Erwähnung verdient hier der perfekte Sprechchor der Freien Waldorfschule Aachen.

    Die 7. Klasse der Karl-Simrock-Schule Bonn und die 10b der GHS Wachtberg hatten sogar zusätzlich Aufgaben bei der Gedenkfeier im Bonner Rathaus am 27.1.10 übernommen und dokumentierten überzeugend den pädagogischen Anspruch des Schülerprojektes DIE MÄDCHEN VON THERESIENSTADT.

     

    Thomas Neuhoff
    Chordirektor des Philharmonischen Chores und Projektleiter

    Das Buch “Die Mädchen von Zimmer 28”

    Mehr zu dem Buch und dem Theaterstück von Hannelore Brenner-Wonschick sowie weiteren weiteren Projekten unter http://www.room28.org/.

     

    Projektförderung

    Das Projekt “Die Mädchen von Theresienstadt” wird unterstützt vom Landesmusikrat NRW.

    Stimmen der Mitwirkenden

    „Das Projekt war für mich eine unvergessliche Erfahrung. Dass dies eine einmalige Möglichkeit war, an einer Uraufführung teilzunehmen, die das Ziel hat, gegen das Vergessen zu kämpfen, war uns schon vor dem Projekt klar. Während der Proben bewegten mich besonders die Musik der Oper und die Geschichte. Ich lernte über das Leben im Ghetto, über wahre Freundschaften, über Angst und Tod. Kein Geschichtsunterricht kann auch nur annähernd so viel vermitteln, wie selbst die Betroffenen zu spielen, zu versuchen, Geschichte auf der Bühne zu verkörpern. Anders als in den bisherigen Projekten, sangen wir erstmals zeitgenössische Musik, von Probe zu Probe prägten sich die Melodien, Rhythmen und Sprechgesänge immer mehr ein. Ich finde, dass die Musik die jeweiligen Charaktere und Gefühle sehr treffend wiedergibt. Ich bin froh und dankbar, Teilnehmerin dieses Projekts gewesen zu sein.“
    Sofia von Freydorf (14 Jahre, in der Oper: Eva)


    „Also ich fand es super, dass ich die Möglichkeit hatte, bei so einem schönen Projekt mitzumachen. Ich fands es auch wirklich gut, wie wir das Thema behandelt haben. Durch dieses Projekt habe ich viel mehr über Theresienstadt gelernt. Unsere Gemeinschaft hat dazu beigetragen, dass es viel Spaß gemacht hat. Ich kann nur sagen: Dieses Projekt war ein Erlebnis, welches ich bestimmt nie vergessen werde!“
    Fabiana Chavet (15 Jahre, in der Oper: Judith)

    „Die Jugendoper hat uns besonders gut gefallen, weil die Rollen so gut auf uns zugeschnitten waren. Das Projekt hat uns als Gruppe noch mehr zusammengeschweißt. Außerdem konnten wir uns viel intensiver mit dem Thema NS-Zeit beschäftigen, als es im Geschichtsunterricht in der Schule möglich ist. Das Beste war aber natürlich die schöne Musik!“
    Benno und Viola Meny (12 und 15 Jahre, in der Oper: Jarda und Muska)

    „Ich fand es sehr gut und wichtig, dass wir uns mit dem Thema beschäftigt haben. Dadurch, dass wir die Rollen der Mädchen von Zimmer 28 gespielt haben, geschah dies auch in einer noch ganz anderen Dimension als bei Erzählungen von Zeitzeugen oder wenn man etwas darüber liest. Wir konnten dem Furchtbaren, was den Mädchen von Theresienstadt geschehen ist – und so vielen anderen Holocaust-Opfern auch – ein Gesicht geben, dazu beitragen, dass das alles nicht in Vergessenheit gerät und viele Zuschauer “berühren”.  Wir konnten uns sehr mit den Mädchen identifizieren, und ich kann, wenn ich jetzt das “Tagebuch der Anne Frank” lese oder noch einmal in dem Buch “Die Mädchen von Zimmer 28”, alles viel besser nachempfinden. Was ich auch positiv fand, war die Mitwirkung der verschiedenen Schulklassen. Einige dieser Schüler sind bestimmt dadurch viel intensiver mit dem Thema in Berührung gekommen als das ohne das Projekt geschehen wäre. Außerdem haben wir musikalisch und darstellerisch sehr viel gelernt und hatten sehr viel Spaß bei allem, auch wenn das Thema so ernst war. Wir alle sind schon fast so etwas wie eine Familie geworden! Es ist so, wie es auch in dem Maagal-Lied heißt: Einander vertrauen, immer hilfsbereit und rücksichtsvoll gegenüber den anderen sein. Insgesamt betrachtet war die Idee, dieses Projekt entstehen zu lassen, sehr gut und hat uns in vielerlei Hinsicht, u.a. in der Chorgemeinschaft, weitergebracht. Ich denke, alle würden sich jederzeit gerne wieder an einem solchen Projekt beteiligen.“
    Alicia Stengel (12 Jahre, in der Oper: Pavla)

    „Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, in der Jugendoper “Die Mädchen von Theresienstadt” mitzumachen. Ich hatte die Rolle des “Jenda” und musste in der Brundbár-Casting-Szene ganz hohe Töne singen. Mit meinem Waldhorn durfte ich im Gefangenenorchester mitspielen und außerdem war ich mit drei anderen Jungen für die Lichttechnik zuständig. Das war cool – ich habe viel gelernt. In den Bonner Aufführungen war ich für das Feuerwerk am Ende des Stückes verantwortlich.
    Ich hoffe, dass wir die Oper später noch mal aufführen dürfen.“
    David Faßbender (13 Jahre, in der Oper: Jenda)

    „Ich fand es wunderschön, in der Oper “Die Mädchen von Theresienstadt” mitzumachen. Ich war die Maria und habe im Casting von Brundibár die Rolle der Katze bekommen. Schön fand ich auch, dass wir vieles selber mitgestalten durften. Ich habe z.B. die Geschenke für Szene 7 gebastelt. Besonders schön waren natürlich die vielen Proben. Ich habe mich immer auf die nächste Probe gefreut. Wir haben in unseren “Theresienstadt-Poesiealben” alle Proben und Aufführungen festgehalten z.B.: ‚Heute spielen wir vor dem Phil-Chor, HILFEEE!’, oder ‚Voll das Chaos hier! (Muska)’, ‚Auch heute viel Glück! (Ela)’.
    Die Oper war besser als jeder Geschichtsunterricht, weil wir uns in die Personen hineingefühlt haben. Denn alle Personen, die wir auf der Bühne verkörpert haben, gab es wirklich und sie waren auch in Theresienstadt. Deshalb habe ich oft darüber nachgedacht, wie es Maria so ergangen ist. (Sie hat Theresienstadt nicht überlebt.) Natürlich haben wir (besonders während den Proben) nie Hunger gelitten und Angst um unser Leben hatten wir auch nicht! Aber trotzdem konnten wir uns in die Mädchen und Jungen hineinfühlen und nachvollziehen, was sie so gedacht haben. Das Projekt werde ich auf jeden Fall nicht vergessen. (Wir nennen uns jetzt fast immer mit unseren Theaternamen). Wegen den vielen glücklichen Momenten fühlen wir uns im Lukassaal schon fast wie zu Hause.“
    Ruth Faßbender (15 Jahre, in der Oper; Maria)

    „Es ist anstrengend, der Bösewicht zu sein, aber erschreckenderweise nicht schwierig. Durch das Projekt habe ich auch etwas über mich gelernt.“
    Oliver Müllenbach (29 Jahre, in der Oper: SS-Unterscharführer)

    Handlung und Mitwirkende

    Handlung der Oper

    Auf der Bühne sind zunächst zwei alte Damen, Überlebende aus Theresienstadt. Sie unterhalten sich über ihre Kindheit, erinnern sich an die Gemeinschaft der Mädchen von Zimmer 28, wie sie es geschafft haben zu überleben, wie das Leben weitergeht, sind dabei kraftvoll und sogar fröhlich.

    (Casting für die Oper) Eine Probe von „Brundibár“ in Theresienstadt / Fetzen von Hans Krásas Musik sind zu hören.

    Das Libretto stellt nicht nur die traurige, schreckliche Geschichte in Theresienstadt dar, sondern auch lustige Momente, die zeitlos sind. Die Oper soll mahnend in die Zukunft weisen, aber vor allem das Positive hervorheben, was wir aus der Geschichte lernen können („mahnender Optimismus“). Mehr Informationen zur Handlung finden Sie hier.

    Die lebenserhaltende Funktion von Musik im Konzentrationslager, insbesondere die rund 55 Aufführungen der Kinderoper „Brundibár“ von Hans Krása, sind das Thema der Jugendoper. David Grahams Komposition ist geprägt von der persönlichen Begegnung im März 2009 mit acht der überlebenden „Mädchen aus Theresienstadt“ in Berlin.

     

    Besetzung

    zwei alte Damen (Überlebende, heute) – professionelle Sängerinnen:
    Ingrid Schmithüsen (Sopran)
    Kerstin Baldauf (Mezzosopran)

    Jugendchor der Lukaskirche Bonn (die Mädchen werden 2010 etwas so alt sein wie damals die Mädchen in Zimmer 28 waren; sie haben 2008 Hans Krásas Oper „Brundibár“ aufgeführt und sind mit dem Thema daher bereits vertraut.), 
    ca. 18 Sängerinnen

    sechs Solistinnen aus dem Jugendchor

    Kammerensemble des Bach-Vereins Köln
    (Besetzung ähnlich wie bei „Brundibár“):
    Flügel, Akkordeon, Violoncello, Schlagzeug

    Libretto: Kerstin Baldauf
    Musik: David Graham
    Musikalische Leitung: Thomas Neuhoff
    Regie: Kerstin Baldauf

    Zielgruppe: Kinder und Jugendliche ab 12 Jahre

    Dauer: ca. 75 Minuten

    Schulen im Raum Köln/Bonn

    Das Konzept der Jugendoper “Die Mädchen von Theresienstadt” (Aufführungsdauer: 75 Minuten) sah die Beteiligung des jugendlichen Publikums in Form von Interaktion während der Aufführung vor und richtete sich besonders an Klassen ab dem 7. Schuljahr, mögliche Vorbereitung im Religions-, Geschichts- oder Musikunterricht.

     

    Ergebnisse der Vorbereitung

    Beispiele von Texten, die einzelne Schulklassen erarbeitet haben, um sich auf die Aufführungen der Jugendoper vorzubereiten:

    Karl-Simrock Schule Bonn (7. Klasse)
    Biographie einer Bonner Jüdin

    Gymnasium Rodenkirchen (9. Klasse)
    Fakten zu Theresienstadt
    Interviews zu Rassismus und Fremdenhass

     

    Möglichkeiten: Mitspielen oder “Nur”-Zuhören

    Option 1: Mitspielen 

    Eine Schulklasse konnte als „Extrachor“ (mindestens 20 Personen) in einer Szene der Oper zum Einsatz kommen. Dafür waren zwei Proben mit Thomas Neuhoff notwendig (2 Doppelstunden in der Schule), dazu Generalprobe am Aufführungstag mit Ensemble.

    Eine Stelle in Szene 4 – Opferrolle: Sehr langsam als Neuankömmlinge im Lager durch den Saal marschieren. Ambitionierte Chöre bzw. Schulklassen hatten die Möglichkeit, dazu (dirigiert) dreistimmig auswendig zu singen (ungebrochene Jungenstimmen / Mädchenstimmen, Sopran bis zum f!) und rhythmisch zu sprechen (komplexe Rhythmen). Kostüme: Lagerinsassen. 

    Eine Stelle in Szene 9 – Täterrolle: Punktuell rufen, schreien (rythmisch, dirigiert), Männerstimmen erwünscht. “Heimatlose! Abschaum! Dreck!” Kostüme: Soldaten.

    Option 2: Zuhören

    Einführungen in die Thematik durch Thomas Neuhoff und David Graham: 
    Dauer etwa 45 Minuten (eine Schulstunde).

    oder:
    Kurzeinführung vor einer Aufführung, Dauer etwa 10 Minuten.

     

    Anmeldung

    Eine Anmeldung für die verschiedenen Optionen (Mitwirkung oder reine Vorbereitung) war möglich bis zum 1. Dezember 2009. Bei den einzelnen Vorführungen waren Schülerinnen und Schüler aus folgenden Schulen beteiligt:

    • Hauptschule am Römerkastell, Bonn
    • GHS Wachtberg
    • Otto-Kühne-Schule, Bonn
    • Karl-Simrock-Schule, Bonn
    • Freie Waldorfschule Aachen
    • Georg-Büchner-Gymnasium, Köln
    • Gymnasium Rodenkirchen, Köln

    Vor dem Hintergrund vermehrter rechtsradikaler Straftaten in unserem Land steht dieses Projekt für Toleranz und Dialog.

    Termine

    Die Mädchen von Theresienstadt

    Jugendoper von David Paul Graham –  Uraufführung
    Auftragswerk des Philharmonischen Chores

    Ingrid Schmithüsen, Sopran
    Kerstin Baldauf, Mezzosopran

    Solisten des Jugendchores der Lukaskirche Bonn
    Kammerensemble des Bach-Vereins Köln
    Kerstin Baldauf, Regie
    Thomas Neuhoff, Dirigent

    Alle Aufführungen waren ausverkauft!

    Sa. 23. Januar 2010 – 19 Uhr (Premiere)

    Mo. 25. Januar 2010 – 19 Uhr

    Fr. 29. Januar 2010 – 19 Uhr

    –    Ev. Lukaskirche, Kaiser-Karl-Ring 25, Bonn

    27. Januar 2010 – 18 Uhr
    Feierstunde zum Holocaust-Gedenktag im Alten Rathaus Bonn
    (Auszug aus “Die Mädchen von Theresienstadt”)

    Mo. 1. Februar 2010 – 18 Uhr
    –    Klangbrücke im Alten Kurhaus, Kurhausstr. 2, Aachen 

    Fr. 05. Februar 2010 – 19 Uhr
    Sa. 06. Februar 2010 – 19 Uhr
    –    Bühne der Kulturen im Arkadas Theater, Platenstr. 32, Köln,

    Wiederaufnahme 2011, auf Einladung der Landesvertretung NRW in Berlin 
    zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar

    23. Januar 2011 – 17 Uhr
    –    Haus der Geschichte, Willy-Brand-Allee 14, Bonn

    27. Januar 2011 – 19.30 Uhr
    –    Landesvertreung NRW, Hiroshimastraße  12-16, Berlin

    30. Januar 2011 – 17 Uhr
    –     Ev. Lukaskirche, Kaiser-Karl-Ring 25, Bonn

    Biographien

    David Graham

    David Paul Graham wurde 1951 in Stratford-upon-Avon in England geboren. Seine ersten kompositorischen Arbeiten entstanden aus praktischen Gründen, da er als Musiklehrer eines Mädcheninternats für die sehr heterogenen Hausensembles passendes Repertoire finden musste. In Folge entschloss er sich, Musik zu studieren, zunächst an der Universität zu Reading, dann in Hans Werner Henzes Meisterklasse in Köln. Seitdem ist sein Leben von den drei Schwerpunkten Organisieren, Unterrichten und Komponieren geprägt:

    Organisieren, am liebsten mit gleich gesinnten Freunden: Konzertreihen, Konzertreisen, Ideen realisieren – zum Beispiel als Mitglied im Organisationskomitee des kubanischenFestival Internacional de Música Contemporánea (Camagüey).

    Unterrichten: auch in Kuba, regelmäßiger aber in Düsseldorf, wo seit 18 Jahren die jungen Mitglieder seiner Klasse an der Clara-Schumann-Musikschule Kammer-,  Orchester-, Filmmusik und Oper schreiben (und hören): sein liebstes Projekt, über das Kay Walter einen Film für den WDR drehte. Ähnliche Projekte hat er in Italien, England und mehrfach hierzulande geleitet. In August 2000 und 2002 war Graham Dozent beim Festival Internacional de Música in Zaragoza.

    Komponieren: wenn die beiden oben genannten Aktivitäten dafür Zeit lassen. Zuletzt schrieb er Musik für das Kunst-Video Dolly (von Harald Klemm), eine Richtung, die er weiterverfolgen möchte: das Nachdenken über andere Kunstformen und deren Beziehung zur Musik, Kommunikationsmöglichkeiten (musikalisch, interdisziplinär, geographisch) und Computer. Musiktheater schrieb er für das Theater Kontrapunkt, Lieder für Christina Ascher und Stefanie Wüst sowie zahlreiche Werke für das Henze-Kammerensemble. Dank Helmut Jacobs und Edwin Alexander Buchholz widmet sich ein umfangreicher Teil seines Schaffens dem Akkordeon. Filmmusiken entstanden für Volker Schlöndorff und Bill Douglas. David Paul Graham sieht Kunst als Kommunikation und dabei ist ihm jedes Mittel recht.

    Ingrid Schmithüsen

    Ingrid Schmithüsen ist eine leidenschaftliche Liedgestalterin, die sich ebenfalls der Kammermusik, dem Oratorium und der zeitgenössischen Musik widmet. Die gebürtige Aachenerin sang 18jährig bereits ihren ersten Liederabend, bevor sie an der Musikhochschule Köln ihr Gesangsstudium aufnahm. Mit der Stimme zu spielen und zu experimentieren, ihre Eigenarten zu entdecken und neue eigene Wege begehen, darin wurde Ingrid Schmithüsen von ihren Lehrern Gregory Foley und Dietrich Fischer-Dieskau bestärkt.

    Ihr breitgefächertes Repertoire von Monteverdi, über Bach, Mozart, Schubert bis zu Wolf, Schönberg, Ives, Messiaen und den zeitgenössischen Komponisten spiegelt sich in ihrer umfangreichen Diskografie wieder. CD-Einspielungen mit ihr gibt es bei Harmonia mundi France, BIS, Accent, col legno, Wergo, CPO, Koch, Capriccio, Canterino, Coviello Classics, Analekta, Atma classique, New Classic Adventures, Cadenza und Connex.

    Ingrid Schmithüsen musizierte in Europa und Asien mit zahlreichen Orchestern und Ensembles, darunter das Gürzenich Orchester, die Dresdner Sinfoniker, die Bochumer Symphoniker, der Windsbacher Knabenchor, der Thomanerchor Leipzig, der Dresdner Kreuzchor, Musica Antiqua, Concerto Köln, La Chapelle Royale, La Petite Bande, Musikfabrik, das Ensemble Modern, das Michael Riessler Ensemble, das Cherubini-Streichquartett, das Auryn-Streichquartett, Les Adieux, das Bach Collegium Japan, das Melbourne Symphony Orchestra und das Taipeh Symphony Orchestra.

    Sie sang unter dem Dirigat von Markus Stenz, Reinhard Goebel, Philippe Herreweghe, Sigiswald Kuijken, Helmut Rilling, Karl Friedrich Beringer, Peter Neumann, Hermann Max, Peter Rundel, Michael Helmrath, Celso Antunes, Pascal Verrot, Dominique My, Lorraine Vaillancourt, Johannes Kalitzke und anderen. In Amerika arbeitete sie mit dem Orchestre symphonique de Québec, dem Calgary Symphony Orchestra, dem Vancouver Symphony Orchestra, dem Sao Paulo Orquestra Sinfonica Municipal, Les idées heureuses, dem Studio de musique ancienne de Montréal, dem Ensemble de la SCMQ, dem Nouvel Ensemble Moderne und dem McGill Contemporary Music Ensemble.

    Langjährige künstlerische Zusammenarbeit verbindet Ingrid Schmithüsen mit dem Pianisten Thomas Palm. Das Liedduo hat in Europa unzählige Liederabende gegeben. In Nordamerika arbeitet Schmithüsen gemeinsam mit der Pianistin Brigitte Poulin. Ihre Partner am Cembalo und Hammerflügel sind Gerald Hambitzer, Harald Hoeren und Geneviève Soly.

    Ingrid Schmithüsen wirkte in zahlreichen Festivals mit, darunter die Wiener Festwochen, Ars Musica Brüssel, die Musik Triennale Köln, das Schleswig-Holstein Musik Festival, die Schubertiade Hohenems, die Dresdner Musikfestspiele, das Beethovenfest Bonn, die Bachwoche Ansbach, das Rheingau Musik Festival, der Romanischer Sommer Köln, das Kurt Weill Fest Dessau, der Altenberger Kultursommer, das Altstadtherbst Kulturfestival Düsseldorf, der Hohenloher Kultursommer, das Bozar-Festival Brüssel, das Festival Oude Muziek Utrecht, das Melbourne Arts Festival, Telluride Composer-to-Composer Festival Colorado, Présences Radio-France, Société musicale André Turp, MNM Montréal und MusiMars McGill. Tourneen führten sie durch ganz Europa, Australien, Nord- und Südamerika und den fernen Osten.

    Im Jahr 2006 hat Ingrid Schmithüsen die Konzertreihe Im Zentrum LIED gegründet, die sich mit aufsehenerregenden Liedprogrammen und herausragenden Liedinterpreten in Köln präsentiert. Am Ende der ersten Spielzeit schrieb Gunter Duvenbeck im Köln-Bonner Musikkalender: „Das Duo Schmithüsen-Palm hat mit seiner verdienstvollen Initiative dem Kölner Musikleben jedenfalls eine ganz neue und tiefe Dimension erschlossen.“

    In der kommenden Spielzeit 2009/10 wird Ingrid Schmithüsen zahlreiche Liederabende in Europa und Nordamerika gestalten, unter anderem mit einem Hugo-Wolf-Programm „Mignon auf der Freud’schen Couch“, „The Side-Show – Charles Ives“ und „Schuberts zweite Winterreise“.
    (Stand Mai 2009) 

    Kerstin Baldauf

    Kerstin Baldauf studierte von 1998 – 2002 Theater an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Graz.

    1997 -1998 EU-Projekt ART AND ENVIRONMENT in Wiltz/ Luxembourg (3 Monate; Erarbeitung von einem lebendigen Garten mit Weiden) und Porto/Portugal (6 Monate; selbstständiges Erarbeiten von Theater-und Kunstprojekten; umgesetzt mit körperlich behinderten und sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen vor Ort.).

    2000 organisierte sie eine 20 Quadratmeter-Leinwand (Performance mit Kindern in einer Go-Kart Bahn) zum Thema“ Akzeptanz von Andersartigkeit: Schattenmenschen und bunte Wesen“.

    Von 2002 – 2004 war sie als Schauspielerin am Jungen Theater Bonn engagiert, dort arbeitet sie auch regelmäßig als Theaterpädagogin (Aufführungen von selbstgeschriebenen Stücken und Stücken von Autoren, z.B. „Liebe Jelena Sergejewna“, Ludmilla Rasumowskaja, „Reichskristallnacht: Szenenkollage zum Thema Judenverfolgung“). Von 2004 bis 2009 war sie an verschiedenen Theatern in NRW engagiert, u.a. im Contra Kreis Theater Bonn, im Kleinen Theater Bad Godesberg und im Rathaustheater Essen.

    Weiterhin leitete sie Theaterimprovisationen beim Museumsmeilenfest 2007 und zuletzt 2008 im Rahmen des Käpt´n Book Festivals die Aufführung von „Max und Moritz“. Seit 2008 ist sie Mitglied des Philharmonischen Chores und übernimmt bei der Jugendoper “Die Mädchen von Theresienstadt” zum ersten Mal eine größere Solopartie.

    Thomas Neuhoff

    Thomas Neuhoff, gebürtiger Bonner, studierte in Köln Kirchenmusik und Dirigieren (Prof. Wangenheim), es folgten weitere Studien bei J. E. Gardiner und H. Rilling. 1983 wurde er Leiter des Philharmonischen Chores der Stadt Bonn und im gleichen Jahr Kantor an der Ev. Lukaskirche und damit Leiter der Auerberger Kantorei Bonn.

    Neben Standardwerken des Oratorien-Repertoires von Bach, Mozart, Beethoven, Mendelssohn und Brahms hat er in den vergangenen 25 Jahren mit Vorliebe Oratorien des frühen 20. Jahrhunderts dirigiert. Werke von Elgar, Tippett, Martin und Delius brachte er mit dem Philharmonischen Chor zur Erstaufführung in Bonn. Im Jahre 2003 dirigierte er beim Internationalen Beethovenfest die Uraufführung der “Bonner Messe” des französischen Komponisten Christophe Looten.

    Gastspiele führten ihn an das Pult des Opernorchesters Frankfurt, der Brandenburgischen Philharmonie, des Slowakischen Kammerorchesters, des City of Oxford Orchestra, zum Jugendfestspieltreffen nach Bayreuth und nach Frankreich, wo er mit Beethovens “Missa solemnis” beim Festival “La folle journée” gastierte.

    Seit mehreren Jahren entwickelt Neuhoff Schülerprojekte zur musikalischen Nachwuchsförderung, die sich großer Resonanz erfreuen. Kinderopern von Britten (“Noah und die Flut”) und Krása (“Brundibár”) wurden in mehr als 30 Aufführungen von Schülern für Schüler gespielt, mit der Jugendoper “Die Mädchen aus Theresienstadt” wurde eine Auftragskomposition (David Graham) uraufgeführt und zu einem Gastspiel nach Berlin eingeladen.

    Im Februar 2005 wurde Neuhoff für seine weit über die Region hinausstrahlende Arbeit von der Rheinischen Landeskirche zum Kirchenmusikdirektor (KMD) ernannt. Im gleichen Jahr dirigierte er in der Bonner Beethovenhalle eine weltweit übertragene Aufführung von Brittens “War Requiem” mit Musikern aus England, Frankreich, Polen, Russland und Deutschland zum 60. Jahrestag des Kriegsendes.

    Seit 2002 ist er auch künstlerischer Leiter des Bach-Vereins Köln, den er durch seine Konzerte in der Philharmonie zu einem führenden Kölner Chor machte. Ein Schwerpunkt wurde die historische Aufführungspraxis: Mit Originalklang-Ensembles interpretierte er die großen Oratorien von Bach und Händel, aber auch Raritäten wie Schumanns “Faust-Szenen” und zuletzt Monteverdis “Marienvesper”. Mit außerordentlichem Erfolg leitete er die Kölner Erstaufführung des spätromantischen Oratoriums “Das Buch mit sieben Siegeln” von Franz Schmidt in der Kölner Philharmonie. Auch stand Neuhoff dort im Juni 2009 erstmals am Pult des Gürzenich-Orchesters Köln, um mit dem Philharmonischen Chor und dem Kölner Bach-Verein “A Child of Our Time” von Tippett und “In Terra Pax” von Martin zu Gehör zu bringen.

  • Schülerprojekt 2009

    Schülerprojekt 2009

    Kinder unserer Zeit

    Zwei Oratorien, die unter dem Eindruck des Dritten Reichs und des Zweiten Weltkrieges entstanden sind, standen am 14. Juni 2009 auf dem Programm eines gemeinsamen Konzertes vom Philharmonischen Chor der Stadt Bonn und dem Bach-Verein Köln:

    Michael Tippetts „A Child of Our Time“ sowie Frank Martins „In Terra Pax“ in der Kölner Philharmonie.

    Der Dirigent Thomas Neuhoff nahm dieses Konzert zum Anlass, erneut ein groß angelegtes Schülerprojekt in Bonn und Köln ins Leben zu rufen – es hieß “Kinder unserer Zeit”. Damit führte er die erfolgreiche Schülerarbeit der letzten Jahre weiter.

    Hier können Sie sich die Abschlussdokumentation als pdf-Dokument ansehen bzw. herunterladen.

     

    Projektförderung

    „Kinder unserer Zeit“ wurde gefördert von der Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung.

    Die Idee

    Von Februar bis Mai 2009 beschäftigten sich Schülerinnen und Schüler aus Bonner und Kölner Schulen mit der Frage, was es für sie bedeutet, hier und heute Kinder unserer Zeit zu sein. Im Deutschunterricht wurden sie ermutigt, ihre Alltagserfahrungen in Texte zu fassen; Ausgrenzung, Gewalt in Familie und Schule, Armut, Rassismus, Religion und Toleranz konnten dabei Themen sein. Im Kunstunterricht und in Theater-AGs konnten die Themen körperlich und sinnlich erfahrbar umgesetzt werden, im Geschichtsunterricht – in der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit – erfuhren die Kinder und Jugendlichen historisches Bewusstsein nicht nur kognitiv, sondern durch die Verknüpfung mit eigenem Erleben auch emotional. Im Musikunterricht schließlich vertonten die Schülerinnen und Schüler die entstandenen Texte, angeregt und beraten von Thomas Neuhoff  und dem Komponisten David Graham. Beteiligt waren neben den jeweiligen Lehrern die Theaterpädagogin Kerstin Baldauf, der Kompositionsstudent Rabih Lahoud und der Trommler Ansu Yeboah.

    Beteiligte Schulen

    In jeder der sechs Schulen entstanden ganz eigene Werke, in Zusammenarbeit mit den engagierten LehrerInnen und Lehrern, den beteiligten Künstlern und abhängig vom Alter und der Kreativität der Schülerinnen und Schüler.

    • Gemeinschaftshauptschule Wachtberg (drei Klassen 9)
    • Hauptschule am Römerkastell Bonn (Klasse 7)
    • Bertolt-Brecht-Gesamtschule Bonn (Klasse 5)
    • Gemeinschaftsgrundschule Soldiner Strasse Köln Lindweiler (Klasse 4)
    • Gymnasium der Stadt Kerpen – Europaschule (Klasse 6)
    • Konrad-Adenauer-Gymnasium Bonn (Stufe 12)

    Bei Abschlussveranstaltungen zum Schülerprojekt „Kinder unserer Zeit“ führten die Kinder und Jugendlichen ihre entstandenen Werke selbst auf oder präsentieren diese auf ihre eigene Weise. Höhepunkt war dabei der Auftritt beim Kindertag in der Kölner Philharmonie am 21. Mai 2009!

     

    GHS Wachtberg

    An der GHS Wachtberg waren drei Klassen 9 (die gesamte Jahrgangsstufe) beteiligt. Die erste Kontaktaufnahme erfolgte bereits im November/ Dezember 2008: An einem Projekttag lernten Thomas Neuhoff sowie Ansu Yeboah (afrikanische Trommeln) die Jugendlichen kennen und vermittelten ihnen erste musikalische Ausdrucksmöglichkeiten. In der ersten Jahreshälfte 2009 fanden sechs Projekttage statt: 25./26./27. Februar, 3./4. April, 11. Mai Generalprobe und Schul-Aufführung.

    Hauptschule am Römerkastell in Bonn

    Die Hauptschule am Römerkastell in Bonn besuchen nur 230 SchülerInnen, davon hat die Mehrheit einen Migrationshintergrund. Auch die wenigen deutschstämmigen SchülerInnen stammen aus eher bildungsfernen Familien. Die Kinder müssen sich in ihrem Alltag häufig mit Rassismus und Gewalt auseinandersetzen. Hier setzt das Projekt „Kinder unserer Zeit“ an:

    Im Fach Deutsch arbeitet die Klasse 7a zum Thema Jugend und Alltagserfahrungen. InKunst stellen sie ihre Zukunftsvisionen als „Mein Traumzimmer“ in einem Karton dar. Die SchülerInnen werden angeregt, ihre eigene Situation zu reflektieren und auch zu dokumentieren, ihre Vorbilder kritischer zu sehen und so den Weg zu sich selbst und zu neuem Selbstbewußtsein zu finden. Die Aussagekraft der Bilder soll diesen Prozess stärkend begleiten. Die Gestaltung der Kartons zeigt auf, wie mit Abfallprodukten Phantasie- und Zukunftswelten geschaffen werden, die ihren ganz eigenen Charme entfalten, gleichzeitig auch die Situation dieser Kinder in ihrer Zeit spiegeln. Die Kartons sind fotografiert und werden der Dokumentation zugeordnet mit den Kommentaren der Produzenten.

    In Geschichte werden Rollenspiele zum Thema Eigen- und Fremderfahrungen durchgeführt, außerdem entwickeln die Jugendlichen ein Brettspiel zur Frage “Wie werde ich ein Demokrat”. Alle SchülerInnen nahmen am 5. Februar 2009 an einer Führung durch das Kölner NS-Dokumentationszentrum (El-De-Haus) teil; einen Teil der Gruppe führte der türkische Schriftsteller Doghan Akhanli, der selbst in seiner Heimat verfolgt wurde.
    Im März wird dann das „Ghettoleben“ in Tannenbusch Thema sein, Lebensrealität vieler SchülerInnen, die auch in Kontrast gesetzt wird zum Ghettoleben in der NS-Zeit. Daraus sollen ein Film bzw. eine Power-Point-Präsentation entstehen. Diese Inhalte ergänzen das Komponieren im Musikunterricht: 
    Hier wurden zunächst Übungen zum Hören und Klangexperimente durchgeführt; nach mehreren Kennenlern-Terminen mit der ganzen Klasse sind 16 interessierte Kinder bei Thomas Neuhoff und David Graham verblieben und erarbeiten in Zusammenarbeit mit den beteiligten LehrerInnen in Kleingruppen nun seit Januar 2009 eigene Ausdrucksmöglichkeiten.

    Bertolt-Brecht-Gesamtschule Bonn

    Die Bläserklasse ist etwas besonderes: jedes Kind lernt hier im Klassenverband ein Blasinstrument. Normalerweise übt der Klassenlehrer Till Habel-Thomé mit den Kindern Big-Band-Stücke, in der Arbeit mit David Graham haben die Kinder jedoch seit 9. Februar in Kleingruppen selbst komponiert, das heißt: selbst geschriebene Gedichte zu jedem Wochentag vertont (Termin regelmäßig Montag die 4. und 5. Stunde). Sie hatten vorher Klänge, Impulse, Rhythmen ausprobiert. Entstanden sind ganz unterschiedliche und eindrucksvolle Klangerlebnisse von einsamen, aber auch frohen Momenten, aufgeschrieben und festgehalten in einer besonderen Partitur und von der ganzen Klasse einstudiert und aufgeführt.

  • Schülerprojekt 2008

    Schülerprojekt 2008

    Hans Krása “Brundibár”

    Das Projekt “Brundibár” richtete sich an Schülerinnen und Schüler unterschiedlichster Altersgruppen. Angeregt wurde eine quasi “spielerische” bzw. jeweils altersgemäße Auseinandersetzung mit Fragen der Geschichte und der aktuellen Gesellschaftspolitik sowie mit den unvorstellbaren Folgen des Dritten Reiches für die jüdische Bevölkerung.

  • Schülerprojekt 2006/07

    Schülerprojekt 2006/07

    Benjamin Britten “Noah und die Flut”

    Die etwa 50-minütige Kirchenoper von Benjamin Britten ist im Stil eines mittelalterlichen Mysterienspiels geschrieben und als pädagogisches Projekt für musikalische Arbeit mit Kindern konzipiert. Mit einfachen Mitteln wird hier die biblische Geschichte von der großen Flut für ein breites Publikum erzählt, wobei agierende Kinder im Mittelpunkt stehen.

  • Schülerprojekt 2005

    Schülerprojekt 2005

    Benjamin Britten “War Requiem”

    Die Aufführung von Benjamin Brittens „War Requiem“ durch den Philharmonischen Chor der Stadt Bonn und internationale Künstler am 60. Jahrestag des Kriegsendes (8. Mai 2005) wurde durch ein Projekt an neun Bonner Schulen begleitet und vorbereitet. Bereits im Vorjahr hatte Thomas Neuhoff Kontakte zu diversen Schulen geknüpft – in Anlehnung an Benjamin Brittens pädagogische Arbeit.