Das "Gelobte Land" in sich selbst finden

Simrock-Schüler treten im Landesmuseum anlässlich eines Schulprojektes des Philharmonischen Chors auf

Zwei Dutzend lärmender junger Leute erobern an diesem Morgen die Bühne des Landesmuseums. Doch, sie konnten schon vor diesem Musikprojekt gut singen, meinen Chantal Burgunder und Bontu Tura fröhlich. „Aber wir haben uns mit Hilfe von Rabih und Dirk schon sehr verbessert“, gibt Gisela Mafuka zu.

Die drei Mädchen lachen. Rabih Lahoud und Dirk Grün siond die beiden Musikpädagogen, die in Diensten des Philharmonischen Chors der Stadt mit den Achtklässlern der Karl-Simrock-Hauptschule das Projekt „Auf der Suche nach meinem „Gelobten Land“ erarbeiten. Lahoud hat die Hauptzüge des Stücks geschrieben. Und die Jugendlichen aus zwölf Nationen haben es textlich mit ihren Lebenserwartungen gefüllt. Am Freitag, 18. März, will die Truppe ihr Ergebnis ab 12 Uhr im Theatersaal des Landesmuseums, Colmantstr. 14, öffentlich aufführen. „Bis dahinmüssen wir aber noch einiges schaffen“, meinen die Pädagogen und geben den Startschuss zur Probe.

Hinter dem Vorhang werden die jungen Leute plötzlich mucksmäuschenstill. Bis einem der Stuhl umkippt. Leises Kichern ist zu hören. Und dann spielt die zuvor lustige Bande diszipliniert die erste Szene. Aus den alltäglichen Begrüßungen auf dem Schulhof erwächst eine Klangkulisse, ein Murmeln nach einem arabischen Satzfetzen, das an- und wieder abschwillt. Die Stimmschulung hat schon erstaunliche Früchte getragen. Alle ziehen an einem Strang. Bei Szenenwechseln stehen die Mädchen um den Flügel herum, an dem Lahoud das Lied „Wenn du gehst“ intoniert. Es ist das Lied der jungen Frauen. „In den Text haben wir alle unsere Ideen von Freundschaft reingebracht“, erzählt Julia Letitia. „Wenn du traurig bist, werde ich bei dir sein“, singen die Mädchen mit Inbrunst. Musikpädagoge Grün lässt schmelzende Saxofontöne einfließen. „Freunde auf ewig“, kommt als satter Refrain von den Schülerinnen. Das sei pures Gefühl, sagt Fatu Mbaye nach der Probe. „Ihr müsst so singen, dass ich euch den Text von den Lippen ablesen kann“, hatte ihnen zuvor ihre Lehrerin Lucia Schneider als Rat mitgegeben.

Jetzt ist Schneider stolz auf ihre Mädels. Und konzentriert sich auf den Auftritt der Jungen. Die haben im Projekt durch Beatboxen gelernt, sicherer in trickreichen Rhythmen, Grooves und Beats zu werden. Und dann auch Mut zum Improvisieren aufzubauen. „Na, das hat bei uns etwas länger gedauert als bei den Mädchen, aber jetzt sind wir wach geworden“, sagt Calvin Nolte. Jetzt verarbeiten die Jungs auf der Bühne ihre Emotionen im Beatboxen. Andere bearbeiten die Rhythmusinstrumente. Paul Evremov ist regelrecht zum Star geworden. „Er hat die Melodie plötzlich auf einem ihm völlig fremden Instrument spielen können“, sind auch die Pädagogen begeistert von dem Naturtalent, das zuvor kein Instrument gespielt hat.

Die positiven Körpergefühle, die selbst gemachte Musik bei ihnen auszulösen imstande ist, haben die Hauptschüler im Projekt auf jeden Fall kennengelernt. Und erkannt, dass sie, die aus so unterschiedlichen Kulturen kommen, aus dieser Erfahrung auch Selbstbewusstsein und Kraft ziehen können. „Jeder kann so in sich schon mal das Gelobte Land finden“, zieht Rabih Lahoud die Quintessenz.

General-Anzeiger Bonn, 16. März 2011 (von Ebba Hagenberg-Miliu)