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Die Maedchen aus Theresienstadt

Nach dem erfolgreichen Schüler-Kompositionsprojekt 2009 "Kinder unserer Zeit" vergab Thomas Neuhoff für 2010 einen Kompositionsauftrag: Der Bonner Komponist David Paul Graham schrieb eine Jugendoper mit dem Titel "Die Mädchen von Theresienstadt". Das Libretto stammt von Kerstin Baldauf, Thomas Neuhoff leitete die Aufführungen im Januar/Februar 2010 mit Mädchen und Jungen aus dem Jugendchor der Lukaskirche sowie professionellen Musikern. Ein Jahr später, zum Holcaust-Gedenktag am 27. Januar 2011 wurde die Produktion von der NRW-Landesvertretung nach Berlin eingeladen. Der General-Anzeiger berichtete über die Reise und die bewegende Begegnung mit zwei alten Damen, Überlebenden aus Theresienstadt.

Abschlussbericht 2010 von Thomas Neuhoff

Die Anfänge der Jugendopernprojekts DIE MÄDCHEN VON THERESIENSTADT reichen zurück ins Jahr 2008. Als Schülerprojekt des Bach-Vereins Köln wurde damals eine Produktion der Kinderoper BRUNDIBÁR von Hans Krása vom Jugendchor der ev. Lukaskirche Bonn in der Kölner Philharmonie aufgeführt. Während der Proben beschäftigte die Jugendlichen folgende Frage: Was wissen wir von den Kindern, die 1943/44 im KZ Theresienstadt den BRUNDIBÁR aufgeführt haben?

Nachdem ich dann anlässlich einer Ausstellung im Deutschen Bundestag am 27.Januar 2008 sechs Überlebende der MÄDCHEN AUS ZIMMER 28 des Theresienstädter Mädchenheimes kennen gelernt hatte, bat ich den in Bonn lebenden englischen Komponisten David Paul Graham um eine Vertonung des Lagerlebens dieser Mädchen, für welche  die Aufführungen von BRUNDIBÁR eine Kraftquelle im Überlebenskampf gewesen waren.

David Graham war wegen des schwierigen Sujets zunächst sehr zurückhaltend, willigte aber ein, nachdem er selbst einige Überlebende und deren Chronistin, die Autorin Hannelore Brenner-Wonschick kennen gelernt hatte (ihr Buch „Die Mädchen von Zimmer 28“ ist im Aufbau Verlag erschienen). Es war nicht leicht, an ein adäquates Libretto zu kommen: Der junge Dramaturg Markus Krämer aus Köln gab nach Fertigstellung der ersten Szene auf, mit der Schauspielerin Kerstin Baldauf konnte aber schließlich eine erfahrene und kompetente Jugendtheater-Autorin gewonnen werden. Sie ging idiese Aufgabe mit großem Elan an und erstellte in enger Abstimmung mit dem Komponisten eine Szenenfolge, die auf die Möglichkeiten des 17-köpfigen Jugendchores der Lukaskirche ausgerichtet wurde (13 Mädchen und 4 Jungen zwischen 9 und 16 Jahren). Meine Vorgabe, zwei Handlungsebenen zu verschmelzen, wurde von Kerstin Baldauf überzeugend umgesetzt: Im Jahr 2009 begegnen sich zwei mittlerweile fast 80-jährige überlebende Frauen und werden Zeuginnen, wie Jugendliche Szenen aus ihrem Leben in Theresienstadt 1943/44 spielen.
Nach Fertigstellung des Klavierauszuges durch David Graham konnten im September 2009 die ersten musikalischen Proben mit dem Jugendchor beginnen, in den Herbstferien wurde dann auch szenisch gearbeitet. Erstaunlich, wie schnell sich die Mädchen und Jungen mit der für sie ungewohnten Tonsprache anfreundeten und echtes Interesse an den darzustellenden Charakteren zeigten. Es entwickelte sich ein gruppendynamischer Prozess von außerordentlicher Qualität. Kerstin Baldauf gelang es, als Regisseurin ungeahnte schauspielerische Talente bei den Jugendlichen zu wecken, sie kümmerte sich auch um Kostüme und übernahm zudem eine der Erwachsenen-Partien, nachdem die ursprünglich vorgesehene Sängerin kurzfristig ausgestiegen war.

Nach wochenlangen Proben mit unserem wunderbaren Korrepetitor James Maddox erwarteten wir das erste Zusammentreffen mit dem Kammerorchester mit Spannung: Würden sich die unverstärkten Stimmen als genügend tragfähig erweisen? Mit Erleichterung stellten wir fest, dass David Graham mit feinem Gespür für die Balance komponiert hatte und alle fieberten nun der Bonner Premiere am 23.Januar 2010 entgegen.
Über die Energie, mit der die jungen Sängerdarsteller innerhalb von zwei Wochen sechs szenische und eine konzertante Aufführung absolvierten, kann ich nur staunen. Sichtbar waren sie inspiriert durch die Zusammenarbeit mit der Berufssängerin Ingrid Schmithüsen, die die Erwachsenen-Hauptrolle übernahm und zum Idol aller singenden Jugendlichen wurde. Die ideale Theater-Atmosphäre in der KLANGBRÜCKE Aachen und auf der BÜHNE DER KULTUREN Köln bewirkte in den letzten Aufführungen eine kaum zu erwartende Steigerung der darstellerischen Leistungen.

Da die Jugendoper als interaktives Mitmach-Projekt konzipiert ist, konnten wir in jede Aufführung neue Schulklassen integrieren. Diese waren in mehreren Schulstunden vom Komponisten und mir auf ihre Mitwirkung vorbereitet worden. Besondere Erwähnung verdient hier der perfekte Sprechchor der Freien Waldorfschule Aachen.

Die 7. Klasse der Karl-Simrock-Schule Bonn und die 10b der GHS Wachtberg hatten sogar zusätzlich Aufgaben bei der Gedenkfeier im Bonner Rathaus am 27.1.10 übernommen und dokumentierten überzeugend den pädagogischen Anspruch des Schülerprojektes DIE MÄDCHEN VON THERESIENSTADT.

Thomas Neuhoff
Chordirektor des Philharmonischen Chores und Projektleiter

Erfahrungsbericht der mitwirkenden Schülerinnen und Schüler

Das Buch "Die Mädchen von Zimmer 28"


Mehr zu dem Buch und dem Theaterstück von Hannelore Brenner-Wonschick sowie weiteren weiteren Projekten unter http://www.room28.org/.

Das Projekt "Die Mädchen von Theresienstadt" wird unterstützt vom Landesmusikrat NRW.

 

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Programmhinweise

  • Adventskonzert

    Samstag, 16. Dezember 2017, 17:00 Uhr, St. Marien Bonn (Nordstadt) Johann Sebastian Bach: Nun komm, der Heiden Heiland BWV 62 Herz und Mund und Tat...

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  • Adventskonzert

    Sonntag, 17. Dezember 2017, 16:00 Uhr, St. Antonius Oberhausen (Klosterhardt) Johann Sebastian Bach: Nun komm, der Heiden Heiland BWV 62 Herz und...

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  • 5. Freitagskonzert

    Freitag, 30. März 2018, 19:00 Uhr, Opernhaus Bonn Antonín Dvořák: Stabat Mater für Soli, Chor und Orchester op.58   Sumi Hwang, Sopran Dshamilja...

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